Markus Ueberall: Kollaborative Softwareentwicklung und Topic Maps

Zusammenfassung

Unzureichende Kommunikation zwischen den prozeßbeteiligten Personen ist ein zentrales Problem jedes Entwicklungsprozesses; insbesondere drohen hierbei Informationsverluste aus nicht-zeitnahem Abgleichen von Anforderungen und deren Umsetzungen. Dieser Umstand wird in der Praxis heutzutage dadurch verschärft, daß Entwicklungszyklen zunehmend beschleunigt und Projekte entweder vollständig ausgelagert oder gemeinsam mit wechselnden externen Dienstleistern umgesetzt werden, wobei aus Planungsgründen häufig die Dokumentation vernachlässigt wird. Gute Lösungen für die Unterstützung der Nachverfolgbarkeit (traceability) von einzelnen Aktivitäten, welche zum Abbau des Informationsverlusts führen, bringen daher eine erhebliche Kostenreduktion mit sich.

Das Problem bei zeitnaher, prozeßbegleitender Dokumentation zur Nachverfolgbarkeit und — damit verbunden — der Semantikerhaltung ist der damit verbundene Aufwand, gerade bei Entwicklung großer softwareintensiver Systeme, die nicht selten auf parametrisierbare Fremdsysteme zugreifen (müssen). In der Regel gibt es zudem konzernweit vorgeschriebene Entwicklungswerkzeuge für bestimmte Aufgaben (Quellcode-Verwaltung, Change-/Defect-Management, ...), welche untereinander keinen Informationsaustausch ermöglichen. Gefordert ist daher eine leichtgewichtige, schnelle und möglichst einfache zentrale Sammlungsmöglichkeit von Informationen, wobei es nicht darauf ankommt, bereits in Verwendung befindliche Programme/Dokumente zu ersetzen, sondern sie zu ergänzen und konsistente Querverweise erstellen beziehungsweise pflegen zu können.

Ziel dieser Arbeit ist die Konzeption und Implementation eines Systems zur Unterstützung der Semantikerhaltung und Nachverfolgbarkeit von Einzelschritten im Rahmen von kollaborativen Softwareentwicklungsprozessen, welches insbesondere auf die Übertragung und Abgleichung von domänenspezifischen Konzepten zielt. Mittel zum Zweck hierfür ist die Ermöglichung einer flexiblen, schablonenbasierten Erfassung von Informationsobjekten (verbunden mit Versionierung/Historisierung von Konzepten) als Grundlage der Dokumentationserstellung.

In diesem Vortrag wird die entwickelte Referenzimplementation bestehend aus (autarken) Modulen zur generischen, schablonenbasierten Erstellung und explorativen Erkundung auf Basis von ISO-Topic-Maps-Technologien sowie ein Eclipse-Plugin zur Unterstützung aller Phasen kollaborativer Softwareentwicklungsabläufe und Benutzerführung basierend auf einem Mikro-Prozeßmodell vorgestellt.